Polyamorie – Saskia & Lui Michalski über ihre offene Beziehung, Intimität, Scham und Tabus
Shownotes
Liebe muss nicht exklusiv, sondern echt sein. In dieser Folge sprechen Saskia und Lui Michalski über ihre offene Liebe. Genauso offen wie sie ihre Beziehung leben, erzählen beide darüber, ob und welche Regeln eine polyamore Beziehung braucht, wie man diese immer wieder neu definieren muss und wie Intimität ohne Tabus funktioniert. Mit Louisa führen sie ein sehr ehrliches Gespräch über ein Reizthema, das viele verunsichert und gesellschaftlich immer noch verurteilt wird und oft mit sehr viel Scham behaftet ist.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Ich hab schon immer mehrere Menschen geliebt.
00:00:01: Und ich hab mich schon immer da sehr verlaufen, weil ich nicht wusste, dass das geht.
00:00:05: Weil ich dachte, das ist falsch.
00:00:07: Wirklich verstanden, dass ich Polyamor bin, hab ich tatsächlich.
00:00:10: Und haben wir gleichzeitig, als ich Saskia kennengelernt hab und Saskia bereits in einer Beziehung war.
00:00:15: Und wir einfach gesagt haben, sind wir jetzt zu dritt.
00:00:17: Man kann nie genug kriegen.
00:00:19: Man hat viel mit so Slutschaming auch zu tun.
00:00:21: Euch geht's nur um Sex.
00:00:23: Das ist doch alles nur so ein Konsum von Menschen.
00:00:26: Ihr könnt euch noch nicht richtig binden.
00:00:28: Eine Beziehung zu zweit oder doch lieber zu dritt?
00:00:31: Saskia und Louis zeigen, dass Liebe nicht exklusiv,
00:00:34: sondern echt sein
00:00:35: muss.
00:00:36: Was das mit Nähe und Körperwahrnehmung macht und wie Intimität ohne Tabus funktioniert, darüber sprechen wir jetzt.
00:00:43: Schön, dass ihr da seid.
00:00:45: Hallo, schön, dass wir hier sein können.
00:00:47: Wichtigste Frage zuerst.
00:00:50: Wie geht's euch?
00:00:51: Uns geht's sehr gut.
00:00:52: würde ich sagen, oder?
00:00:53: Wie geht es uns?
00:00:54: Uns geht es gut.
00:00:55: Ich würde sagen, wir sind in so einer richtigen Blüte irgendwie.
00:00:58: Wir haben eine gute Zeit.
00:00:59: Schon irgendwie das ganze Jahr ist schon gut.
00:01:01: Ja,
00:01:02: das sieht man euch auch an und man sieht euch auch ganz oft, wenn ihr eine Öffentlichkeit seid und darüber sprecht über eure Themen an, dass ihr natürlich auch zusammen seid.
00:01:11: Was ist der nervigste Kommentar oder die nervigste Frage, die ihr gestellt bekommt?
00:01:17: Wow, also ich bin kein Fan von Superlativem, aber ich kann definitiv eine sehr nervige Sache hier ansprechen, dass bei uns ist keine wahre Liebe und wir sind nur eine Freundschaft plus.
00:01:29: Das ist schon sehr nervig.
00:01:31: Wie liebt ihr denn?
00:01:32: Wir lieben Polyamor und Offen.
00:01:34: Das heißt, wir lieben nicht exklusiv, wir lieben mehrere.
00:01:38: Wir führen mehrere Liebesbeziehungen.
00:01:41: Diese sind auch offen, das heißt, wir haben keine Exklusivitäten im Sinne von, dass wir auch darüber hinaus über die Beziehungen, die bereits bestehen, offen dafür sind, neue Dinge zu erleben, neue Verbindungen zu finden.
00:01:52: Jetzt hast du schon das Wort Polyamor benutzt und ich würde gern einmal vorab Begrifflichkeiten mit euch klären, damit die Leute, die das zum ersten Mal heute auch vielleicht hören und sich damit beschäftigen, auch wissen, was die Unterschiede sind, weil es einmal dem Begriff Polygamie gibt und einmal Polyamorie.
00:02:10: Was ist da der Unterschied?
00:02:12: Der Unterschied ist eigentlich, ja, ein ganz, ganz großer.
00:02:16: Also wir kommen ja aus einer sehr mononormativen geprägten Welt und sagen deswegen monogamen.
00:02:23: Das heißt eigentlich Einzel-Ehe, weil das Wort Gami-Ehe heißt.
00:02:27: Das heißt Polygami heißt eigentlich mehrfach Ehe und Polyamory heißt Mehrfach-liebend.
00:02:35: Das heißt, eigentlich müssten monogame Paare, die nicht verheiratet sind, Monoamor heißen.
00:02:40: Deswegen ist es ein großer Unterschied.
00:02:42: Bei Polygamie ist in Deutschland zum Beispiel illegal die Mehrfach-Ehe.
00:02:46: Und wir leben halt Polyamor.
00:02:48: Wann habt ihr das?
00:02:50: das erste Mal für euch festgestellt, dass ihr Polyamor leben und lieben möchtet.
00:02:55: Es war eine super lange Reise, weil ich glaub, rückblickend war das schon immer mein Weg.
00:02:59: Ich hab schon immer mehrere Menschen gelebt und ich hab mich schon immer da sehr verlaufen, weil ich nicht wusste, dass das geht, weil ich dachte, das ist falsch.
00:03:09: Verstanden, dass ich Polyamor bin, habe ich tatsächlich.
00:03:12: Und haben wir gleichzeitig, als ich Saskia kennengelernt habe, und Saskia bereits in einer Beziehung war.
00:03:16: Und wir einfach gesagt haben, sind wir jetzt zu dritt.
00:03:18: Und das war so unser Intro in die Polyamorie.
00:03:20: Wir dachten ja, das wäre doch jetzt komplett quatsch, wenn hier sich irgendjemand trennt, weil es doch alles toll.
00:03:26: Und dann war so, okay, wir sind Polyamor.
00:03:29: Aber
00:03:29: lass uns mal einen Step zurückgehen, weil das hört sich an, als ob das alles so ganz schnell und ganz einfach ging.
00:03:35: War's das auch wirklich so, wie du das jetzt gesagt hast?
00:03:38: Weil ich kann mir vorstellen, erst mal zu dem Punkt zu kommen, dass ihr sagt, ihr möchtet zu Dritt in einer Beziehung leben.
00:03:45: Das ist doch ein Step oder nicht?
00:03:47: Ich glaub, das war ein Zeitraum von drei Wochen.
00:03:50: Es war sehr schnell.
00:03:51: Es war sehr easy und schnell, weil Saskia das sehr easy und schnell aufgedröselt hat.
00:03:56: Wenn Mati was hat, wenn Saskia eine Idee hat, dann wird da durchgearbeitet.
00:04:01: Und Saskia gesagt, hey, so.
00:04:03: könnte das doch sein.
00:04:05: Ich und Saskia ist damals ihr Mann, haben uns angeschaut und gesagt, ja, machen wir so.
00:04:10: Ich muss sagen, ich bin ja in die Polyamorie reingeschlittert.
00:04:14: Ich kann jetzt in der Retrospective auch sagen, meine beste Freundin sagt, du warst früher schon immer Hard-Broken in der Jugend, weil du hast irgendwelche Menschen verlassen, die du nicht verlassen wolltest, nur weil da jemand Neues war.
00:04:23: Ich verstehe das natürlich jetzt auch.
00:04:25: Aber ich war der Disney-Monogamietraum auf zwei Beinen.
00:04:28: Ich war die Person, die mit Anfang zwanzig gesagt hat, geh mir weg mit diesem Thema, hab ich keinen Bock drauf.
00:04:32: Warum?
00:04:33: Weil ich Angst hasche.
00:04:34: Und da bin ich da reingeschlittert, weil ich war in dieser glücklichen Monogam eher.
00:04:39: Und auf einmal habe ich eine Spannung zu Louis gemerkt.
00:04:41: Und dann war für mich ganz klar, ich muss da mit meinem Mann drüber reden, egal, was dabei rauskommt, weil ich sonst halt einfach nicht ehrlich bin.
00:04:47: Was
00:04:47: habt ihr euch da ... Regeln klingt so hart, finde ich.
00:04:51: Aber habt ihr euch dann zu dritt hingesetzt und habt gesagt, hey, jeder hat für sich einmal klargezogen?
00:04:58: Das geht für mich und das geht für mich nicht, weil es hat ja auch viel mit Intimität, Liebe, Emotionen zu tun, wenn ihr sagt, ihr öffnet das quasi für euch zu dritt.
00:05:08: Also für uns am Anfang, wo wir zusammengekommen sind, waren wir sehr anders und in einer sehr anderen Konstruktion als wir es jetzt sind.
00:05:14: Das heißt, das war eine lange Reise.
00:05:15: Das heißt, wenn wir aber am Anfang, war tatsächlich für uns nicht so viel Regelbedarf, weil wir haben eigentlich einfach nur die Monogamie kopiert und zu dritt gelebt.
00:05:23: Wir haben zu dritt geschlossen, wir drei bis ans Ende der Welt, niemand anderes ist irgendwie relevant.
00:05:29: So, das heißt, da haben wir eigentlich nur das gemacht, was man zu zweit macht, aber zu dritt.
00:05:31: Wir sind auch so dritt zusammengezogen, wir haben alles geteilt, wir waren alle gleich und alles und haben dann erst über die Jahre ... Ich merke, oh, da müssen wir oder vielleicht haben wir noch mehr Bedürfnisse.
00:05:41: Vielleicht wollen wir öffnen.
00:05:42: Vielleicht wollen wir gar nicht alle, die sind gleich Beziehung leben.
00:05:45: Und das waren dann Jahre, wo wir jahrelang
00:05:47: eigentlich
00:05:48: gelernt, verhandelt, ausprobiert, hingefallen, aufgestanden und immer wieder neu entdeckt haben.
00:05:55: Wie wollen wir jetzt eigentlich leben?
00:05:56: Würdet ihr sagen, man ist damit überhaupt irgendwann fertig oder ist das einfach ein lebenslanges Aufneinerzugehen?
00:06:03: Es ist ein... Also ich muss sagen, die Polyamore-Reise ist so ein bisschen für mich auch wie so eine Quere-Reise.
00:06:08: Also es ist einfach nicht eine Rechenaufgabe und die löst du einmal, dann ist das irgendwie in Stein gemeißelt, sondern mit jeder neuen Person, die du triffst, werden neue Sachen gespiegelt, es werden neue Dinge bewusst, es werden doch mit jeder neuen Erfahrung vielleicht Dinge bewusst, die man doch nicht so möchte.
00:06:24: Und das ist etwas, wo... tägliche Ehrlichkeit zu sich selbst erforderlich ist und man vielleicht auch mal auf ein paar Herdplatten fassen muss, um zu erkennen, krass, das ist vielleicht doch nicht so ganz das, was zu uns oder zu mir passt und was halt das Allerwichtigste ist, dass wir uns als Kappel auch immer miteinander auf der Polyarmoren-Reise bewegen und trotzdem individuell voneinander.
00:06:47: Also das wird nie aufhören, glaube ich.
00:06:49: Aber trotzdem sind Dinge jetzt leichter für uns geworden.
00:06:52: Wie leicht war es für euer Umfeld, als ihr gesagt hat?
00:06:56: Habt, Yolo, wir lachen euch zu dritt zu der nächsten Geburtstagsparty ein.
00:07:02: Wir haben eine Beziehung zu dritt.
00:07:03: Wir hatten Bomben im Umfeld, toll.
00:07:06: Das war richtig cool.
00:07:07: Ich glaube, wir haben richtig Glück.
00:07:09: Unsere Familien sind von uns gewohnt, dass wir seit der Geburt an alle paar Jahre mit Kracher um die Ecke kommen.
00:07:15: Das
00:07:15: kenne ich
00:07:17: schon.
00:07:17: So war es bei unseren Familien.
00:07:18: Es war richtig schön.
00:07:20: Wir hatten ein privilegiertes, tolles Umfeld, um unsere Identitäten zu leben.
00:07:25: Also ich kann vielleicht auch noch mal sagen, wir haben ja einen Fest der Liebe auch gefeiert und ich meine, da waren auch meine Großeltern und wir wurden beide jeweils von anderen Menschen zum Altar geführt, wo vorm Altar geknutzt wurde und wir dann getraut wurden.
00:07:38: Also das ist ja etwas, wo die einfach nur sagen, boah, wir lieben das so sehr, dass ihr so authentisch seid und so ehrlich seid und so liebt und eben auch dahinter steht.
00:07:47: Und letztendlich ist es den wichtig, dass wir glücklich sind und wenn wir in Monogamenbeziehungen mit Menschen unglücklich waren oder glücklich waren, das macht für die keinen Unterschied.
00:07:59: Jetzt hast du gerade gesagt, dass das in einer privilegierten Situation
00:08:02: sei.
00:08:02: Ja, sehr doll.
00:08:03: Was
00:08:03: meint ihr damit?
00:08:04: Wir haben eine sehr große Community.
00:08:05: Wir sind seit Jahren mit Menschen im Austausch, die auch nicht monogam leben und die das ganz, ganz, ganz schwer haben.
00:08:12: Also, viele Menschen werden sehr davor verurteilt, auch von ihrem Umfeld, vor allem nicht ernst genommen.
00:08:17: Also, viele merken so, die Familien nehmen es einfach nicht ernst, weil sie selber lächerlich komisch Albern sowas finden.
00:08:24: In der Gesellschaft ist die nicht monogamisch alles andere als anerkannt.
00:08:28: wahnsinnig glücklich, dass unsere Familien uns so genommen haben, wie wir sind.
00:08:31: Aber das ist leider ein Thema, was in der Gesellschaft Menschen richtig auch kaputt macht, wenn sie ihre Identität nicht leben dürfen, weil alle drum herum sagen, also das abwerten.
00:08:40: Es geht ja noch weiter.
00:08:41: Also Polyfeindlichkeit ist definitiv ein Thema.
00:08:44: Es geht so weit, dass Menschen irgendwie Angst haben, ihren Job zu verlieren oder irgendwie damit, wenn sie Kinder haben oder sowas in die Öffentlichkeit zu gehen, weil dieser sichere Pfeiler der Monogamie den vermeintlich sicheren Pfeiler anzurütteln und deutlich durchzuschütteln.
00:09:00: Das geht alle etwas an, fast alle Menschen, egal welche Sexualität, sind in Beziehungen.
00:09:05: Und da rüttelt man an so einem Urangstpfeiler, dass das, äh, da geht's richtig ab.
00:09:10: Also, ich kann alles zentrum zählt anfassen, aber die Polyamorie, das macht richtig was mit Menschen.
00:09:16: Und damit ist er wirklich nicht zu scherzen.
00:09:19: Wie kommen wir hin, dass wir daran rütteln können und gleichzeitig darüber sprechen können, dass Leute nicht mehr Angst vor diesem Thema haben und zum Teil auch einfach menschenfeindlich werden?
00:09:32: Ich glaube, das ganz Wichtige ist, wenn Menschen in ihrer Monogamie gesettelt sind und sehr glücklich in ihren Beziehungen sind, sind sie meist davon überhaupt nicht angefasst, dass ich von der Polyamorie spreche.
00:09:41: Ich würde wie bei allen anderen Themen auch sagen, wie wäre es mit einer ... Bereitschaft sich selber anzugucken, warum macht das gerade etwas mit mir?
00:09:50: Möchte ich vielleicht nicht, dass meine Beziehungsperson das hört, weil ich Angst habe, dass die das nachher auch will.
00:09:54: Deswegen finde ich dich nachher scheiße, weil das wollen wir hier alles von uns fernhalten.
00:09:58: Wie wäre es, wenn wir alle zum Beispiel in Beziehungen fragen, wie möchtest du leben?
00:10:04: Das sind die Möglichkeiten und dann entscheiden wir uns für die Monogamie.
00:10:09: Dann ist es auch nicht mehr so schlimm, wenn andere darüber sprechen, anstatt da halt langsam reinzusleiden.
00:10:14: Hat
00:10:14: sich eure Körperwahrnehmung, auch gerade was Sex angeht, verändert seitdem ihr Polyamor lebt?
00:10:20: Ja, nein, auf jeden Fall in der Reise.
00:10:22: Es hat ganz viele Zusammenhänge, aber ich glaube in der Nichtmulung am Reise, wie ich so viel über mich gelernt und mich so viel Schamthemen stellen müssen, dass sich meine Körperwahrnehmung komplett verändert hat.
00:10:33: Und auch mehr, ich hatte auch viel mehr Sex als vorher, auch mit anderen und viel Schambefreiter.
00:10:39: Dadurch, dass ich halt mehr ... Sex mit anderen Menschen hatte und nicht nur eine Person, wo ich lange Zeit Scham abgebaut habe, definitiv.
00:10:47: Also für mich, ja, es sind Welten davon weiter weg, wo ich jetzt vor vier, fünf Jahren war in meiner Wahrnehmung, ja.
00:10:54: Ja, für mich auch sehr, sehr doll sogar auch, was meine Körperwahrnehmung zum Beispiel zum Thema Körperhaare und so was angeht.
00:11:01: Also ich weiß nicht, was ein Rasierer ist und ich liebe das und das hätte ich früher Oh mein Gott, niemals so gehandhabt.
00:11:08: Und das liegt einfach an vielen Spiegeln und vielen Erfahrungen, dass ich merke, hey, es ist irgendwie gar kein Ding.
00:11:13: Und ich weiß für mich, was meine Bedürfnisse sind und was ich mag und was ich nicht mag.
00:11:17: Und damit haben sich auch witzigerweise meine Bildwelten verändert.
00:11:21: Ich hab so viele verschiedene Körper gesehen, dass ich gar nicht mehr so diese Idee habe, wie sieht denn ein Körper aus?
00:11:29: Und dadurch auch nicht, wie sieht mein Körper jetzt für andere aus?
00:11:33: Also, das hat sich schon krass verändert.
00:11:35: Es gibt ja voll oft diesen Vorurteil, dass Polyamorie etwas ist, wo man sich nicht bei festlegen will und dass man das mit Absicht so macht.
00:11:45: Ja, kriegen wir super oft zu dieses, ach, ihr könnt euch noch nicht festlegen, nur Bindungsgestört und so was.
00:11:50: Ja, find ich total lustig, weil ich lege mich so was von fest mit meinen Werten und Ehrlichkeit und also mehr als ich jener Monogrammbeziehung gemacht habe.
00:11:58: Aber ja, ist eine der größten Vorteile, definitiv.
00:12:01: Mittlerweile wünsche ich mir eigentlich, dass wir in der Gesellschaft viel mehr über, wie fühlen wir gesunde Beziehungen sprechen, als müssen die jetzt monogam, nicht monogam ist immer so ein, das oder das, so nee, nee, lass mal über gesunde Beziehungen sprechen.
00:12:11: Weil ich glaube, wie Saskia sagt, wenn wir in gesunden Beziehungen sind, dann ist das egal, ob monogam oder nicht monogam, wenn wir glücklich sind, wenn wir uns sicher fühlen, wenn wir uns verbunden fühlen.
00:12:21: Es ist egal, wie vielen Menschen, mit einer Person oder vielen so.
00:12:24: Und ich glaube, wenn wir das alle spüren, dann sind wir auch direkt offener für andere Konzepte.
00:12:28: Und an dieser Stelle lohnt es sich, dass Loc Tommy uns auch noch mal zu dem Thema etwas sagt.
00:12:32: Hat Monogamie eigentlich biologische oder kulturelle Gründe?
00:12:35: Können wir rein biologisch mehrere Menschen lieben?
00:12:38: Und was passiert mit uns, wenn wir lieben?
00:12:40: Wir gehören zu den wenigen Säugetieren, die in ihrem Verhalten teilweise monogame Tendenzen zeigen.
00:12:45: Wir sind jetzt aber nicht genetisch bzw.
00:12:47: biologisch darauf programmiert, Monogam zu leben.
00:12:50: Monogamie war eine Geschichte zum Beispiel nicht unbedingt natürlicher, sondern nützlicher, als Werkzeug um sowas wie Eigentum, Erbe, soziale Ordnung, politische Stabilität und so weiter zu sichern.
00:13:01: Die Romantik, kam erst später als kulturelle Verpackung oben drauf.
00:13:05: Liebe entsteht ganz onromantisch gesagt in unseren Gehirn als biochemischer Cocktail aus Dopamin, Serotonin, Oxytocin und so weiter, der je nach Liebesphase unterschiedlich gemixt sein kann.
00:13:15: Man kann theoretisch den Cocktail einer langen gesicherten Beziehung genießen und sich trotzdem gleichzeitig in eine andere Person verliehen.
00:13:22: Rein biologisch ist das möglich.
00:13:24: Wichtig ist, dass wir offen und ehrlich mit unseren PartnerInnen über das Thema reden, weil Liebe am Ende der vielleicht gesundeste Cocktail ist, den wir mit anderen teilen können.
00:13:31: Ob zu Zeit, zu Dritt, mit mehr Leuten.
00:13:34: Hauptsache, der Cocktail passt für alle Beteiligten.
00:13:36: Das war die Experten-Meinung von Dr.
00:13:38: Mieh.
00:13:38: Wenn ihr noch mehr dazu wissen wollt, schaut in die Show-Notes oder in die Beschreibung.
00:13:42: Ich hab letztens ... von einer Freundin erfahren, dass sie auch mit ihrem Freund vielleicht ihre Beziehung öffnen will, aber Angst hat, dass danach alles so anders ist, dass sie vielleicht danach nicht mehr miteinander reden.
00:13:57: Ich kann mir voll vorstellen, dass es davon viele Menschen da draußen gibt, diese Angst davor.
00:14:03: Was würdet ihr den Menschen mit auf den Weg geben?
00:14:05: Was würdet ihr den raten?
00:14:07: Ich würde erst mal raten, es wird sich was verändern.
00:14:10: Die Angst, dass sich etwas verändert, ist definitiv da.
00:14:14: Aber es wird sich auch etwas verändern, wenn ihr dort bleibt und still steht und die Bedürfnisse auf einer Seite unterdrückt werden.
00:14:21: Es gibt keinen Skript.
00:14:24: Ihr habt eine weiße Karte und ihr müsst jetzt gemeinsam gestalten.
00:14:28: Und jede Sache, die davor unter den Teppich gekehrt wurde, wird tendenziell an die Oberfläche kommen.
00:14:33: Aber das wäre es auch in der Monogam-Mitziehung irgendwann.
00:14:36: Das heißt, ich ... würde definitiv raten, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es anders wird als zuvor.
00:14:45: Und mit der Neugierde reinzugehen, etwas Neues zu bauen.
00:14:48: Ich glaube, Veränderung ist das eine, was wir im Leben alle immer haben.
00:14:53: Aber wir haben so viel Angst davor.
00:14:54: Und ich glaube, in eine offene Beziehung zu gehen, sich so ein bisschen damit anfreunden und okay damit sein, dass die Veränderung, die eh kommt, dass wir die jetzt embrasen.
00:15:02: Und ich glaube, was ich raten würde, ist, das geht gesagt, eine Karte, die muss gemeinsam gemalt werden.
00:15:08: Das ist es.
00:15:09: Zwei Leute müssen das wollen und zwei Leute müssen das zusammengestalten.
00:15:12: Und wenn zwei Leute das wollen, zusammengestalten, dann kann das funktionieren.
00:15:16: Und auch, dass man, dann redet man auch, wird man auch noch miteinander reden, wenn man das gemeinsam möchte.
00:15:21: Es gehören zwei dazu.
00:15:21: Wenn nur eine Person das will, die andere Person nur mitzieht, das ist etwas, wo wir, glaube ich, aus Erfahrung immer sagen, das wird schwierig.
00:15:29: Ich habe noch einen richtig wichtigen Tipp.
00:15:32: Viele Menschen auf einen Beziehungen sagen, für uns sind Gefühle tabu.
00:15:36: die dürfen auf gar keinen Fall entwickelt werden.
00:15:39: Aus Erfahrungen gebe ich jedem einen folgenden Tipp.
00:15:42: Macht euch einen Fahrplan, wie ihr damit umgehen wollt, falls es doch passiert, anstatt zu hoffen, Gefühle kontrollieren zu können, weil das wird messig.
00:15:51: Und die Gefühle werden tendenziell
00:15:53: kommen, wenn
00:15:53: du mit Menschen schläfst und nur Körper leidest.
00:15:56: Und dann dreimal und viermal und dann gibt's ein kleines Frühstück und dann doch noch eine Übernachtung.
00:16:00: Und dann heißt das auf einmal, oh Gott, das war nicht abgesprochen.
00:16:03: Deswegen ... Fahrplan, wie wollen wir damit umgehen?
00:16:06: und nicht, es darf nicht sein.
00:16:09: Hattet ihr da aber die ersten Male ein bisschen Schiss davor, dass das passieren kann?
00:16:14: Wir haben nie eine reinoffene Beziehung geführt.
00:16:16: Von Anfang an klar, wir leben polyamor.
00:16:18: Wir sind Menschen, die lieben.
00:16:20: Uns geht es um menschliche Verbindung.
00:16:21: Uns geht es nicht nur um Körperlichkeiten.
00:16:22: Deswegen war uns von Anfang an klar, wenn neue Menschen kommen, kommen die als voller Menschen mit ihren Gefühlen.
00:16:28: Und ja, wir hatten eine total wilde Öffnung.
00:16:31: Wir haben so viel erlebt.
00:16:32: Das war auch überhaupt nicht leicht, auch für uns beide.
00:16:34: Wir haben auch viel Paartherapie gebraucht.
00:16:37: Wir haben auch ganz schlimme, ganz viel Streit gehabt.
00:16:39: Also, das ist nicht leicht.
00:16:41: Es gibt wohl Paare, für die war das easy.
00:16:44: Wir gehören nicht dazu.
00:16:44: Ich glaube, die meisten Menschen gehören nicht dazu, dass es easy und smooth ist.
00:16:47: Das ist ein richtig krasses Projekt fürs Leben.
00:16:50: Und wisst ihr, was ich so schön finde, dass ihr wirklich voll offen und transparent damit umgeht und sagt, wir haben ein paar Therapie gemacht.
00:16:57: Wir streiten, wir reden darüber, das ist nicht alles leicht.
00:17:00: Aber trotzdem tut ihr alles dafür, dass es am Ende allen gut geht in dieser Beziehung.
00:17:07: Das funktioniert ja in anderen Beziehungen oft leider nicht oder wird halt auch voll vergessen.
00:17:12: Ich kann ja zum Beispiel sagen, Louis und ich, wir sind jetzt ein halbes Jahrzehnt zusammen und ich habe mittlerweile natürlich ein ganz anderes ... Korrigierendes Gefühl mit Louis und Louis mit mir, weil wir kennen uns.
00:17:26: Das heißt, diese Angst, die wir am Anfang hatten oder diese Streitereien oder dieser Impuls des Festhaltens der Kontrolle, ist natürlich auch, wenn man denkt, was ist, wenn du jetzt, wenn ich ersetzt werde, wenn du morgen weg bist?
00:17:36: Aber wir haben jetzt über Jahre die Erfahrung gemacht, dass sich nichts danach verändert.
00:17:41: So teilweise sogar noch vercrushed da wieder ineinander sind, wenn wir gerade irgendwo einen Crush haben und dann gemeinsam darüber reden können.
00:17:47: Und das ... kommt halt nur, wenn regelmäßig dann auch nicht immer wieder das Vertrauen missbraucht wird.
00:17:54: Das ist halt wirklich über Zeit.
00:17:56: Louis,
00:17:56: du hast grad gesagt, vor ein paar Minuten hast du über Veränderung Embracing gesprochen.
00:18:03: Was ist denn aber, wenn man wirklich merkt, hey, ich würde das gerne Embracing, aber ich merke auch, dass da so voll Eifersucht mitschwingt und so voll Zweifel.
00:18:11: Also ist auch das dann legitim oder muss man
00:18:15: ... Also das ist glaube ich vollkommen normal, dass da Gefühle hochkommen, die unangenehm sind.
00:18:21: Für mich persönlich war es so, dass ich gemerkt habe, dass ich wirklich richtig doll gestruggelt habe, richtig emotional, richtig, richtig, richtig schwere, schlimme Gefühle hatte.
00:18:30: Und ich habe mir Therapie gesucht, weil ich habe mich gefragt, warum ist meine Reaktion so groß, wenn es nur um eine... Theorie der Angst geht, habe ich mir Therapie gesucht und habe es aufgearbeitet und habe versucht zu verstehen, warum mein Körper und meine Emotionen so doll auf Verlust reagieren.
00:18:45: Das ist normal.
00:18:46: Wir haben alle Verlusterlebnisse gehabt, vielleicht in der Kindheit, vielleicht im Leben, die wir vielleicht gar nicht so verarbeitet haben, wie wir denken.
00:18:54: die dann hochkommen können.
00:18:56: Wir haben alle einen Bindungsstil, eine Art und Weise, wie wir in romantischen Beziehungen sind, die wir das uns vielleicht auch nicht so bewusst ist, wo man erst mal hinterkommen muss, warum tick ich so?
00:19:04: Und nee, also, dass da Gefühle hochkommen ist, vollkommen normal.
00:19:08: Also, ich fände es total komisch, wenn jemand sagt, ich war zehn Jahre monogam, dann von einem Tag auf einen anderen Poli, und es war alles easy.
00:19:16: Maybe, aber cool für dich, ich, bei mir nicht.
00:19:19: Ich glaub, Menschen, kein Wort, wenn Sie sagen, Sie sind nicht eifersüchtig.
00:19:22: Ich glaube, Sie haben vielleicht nur nicht das ... Den Zugang dazu oder benennen es nicht so, weil Eifersucht ein sehr negativ konditioniertes Wort in unserer Gesellschaft ist.
00:19:32: Wir unterscheiden zwischen Eifersucht ist ein Gefühl, wo es darunter liegt und das Problematische ist das Verhalten aus der Eifersucht, aus dem Impuls, aber nicht das Gefühl an sich.
00:19:42: Übrigens, das gilt auch voll, weil wir über Eifersucht sprechen.
00:19:45: Ich war halt auch schon noch Freundin in Eifersucht.
00:19:47: Das musste ich erst mal auch für mich akzeptieren und auch aussprechen können und überlegen, woher kommt das und was hat das mit mir zu tun?
00:19:57: Ganz viele in unserer Community sind zum Beispiel monogam.
00:19:59: Und auch alles, was wir in der Polyamorie sagen, kann man auf jede zwischenmenschliche Beziehung anwenden.
00:20:05: Meine Friendships, meine familiäre Beziehung, meine anderen Beziehungen sind alle maßgeblich anders geworden durch die Kommunikation, die ich in der Polyamorie gelernt habe und auch die Gefühl, um Lage zu akzeptieren.
00:20:18: Voll.
00:20:19: Würdet ihr sagen, dass... Eure Beziehung, also dadurch, dass sie natürlich auch öffentlich macht, wird die anders sexualisiert von außen als eine monogame Beziehung?
00:20:31: Also, oh Gott, da kommen ganz viele Ebenen zueinander.
00:20:35: Also, beispielsweise, als ich noch zwei Beziehungen hatte, ich bin weiblich gelesen, natürlich heißt also später Sexismus eine riesengroße Rolle.
00:20:43: Man kann nie genug kriegen, man hat viel mit so Slutschaming auch zu tun.
00:20:47: Euch geht es nur um Sex.
00:20:49: Das ist doch alles nur so ein Konsum von Menschen.
00:20:54: Ihr könnt euch noch nicht richtig binden, also sexualisiert.
00:20:58: vielleicht nicht direkt, aber es greifen mehrere gesellschaftliche Vorurteile ineinander.
00:21:04: Wir sind auch noch queer, das kommt dann auch noch dazu.
00:21:06: Also, man kann ganz, ganz viele verschiedene Dinge, die ineinandergreifen.
00:21:11: Das ist natürlich eine monogame Beziehung, diese Spielfläche vielleicht gar nicht bringt, wenn man sagt, ich möchte nur meinen Mann für immer und über Sex würden wir niemals reden.
00:21:21: Dann gibt es da vielleicht weniger Spielfläche als bei
00:21:24: uns.
00:21:25: Was glaubt ihr, warum ist es
00:21:26: für viele
00:21:27: so schwierig, über Sex zu reden?
00:21:29: Ihr macht es ja auch schon sehr offen und sehr selbstverständlich und auf eine sehr menschlichen Art und Weise.
00:21:36: Warum klappt das so oft in unserer Gesellschaft nicht?
00:21:38: Wir werden ja von Anfang an Sex ist ja ein Tabuthema.
00:21:42: Ich weiß noch so, als ich jung war und dann eine Sexsinn im Fernsehen, schnell weggucken.
00:21:46: Das ist irgendwie, wie wir aufgewachsen sind.
00:21:49: Das ist total, das macht man nur hinter verschlossener Tür.
00:21:52: Da ist einfach so viel Scham in der Gesellschaft.
00:21:55: Sowieso in unserer Gesellschaft haben so viel Scham über die Generation so eingelebt bekommen, glaub ich.
00:22:01: Man zeigt ja auch keine Emotionen.
00:22:02: Es ist ja alles die letzten Jahrzehnte erst gekommen, dass man sich emotional zeigt, dass man sexuell sich irgendwie zeigt.
00:22:11: In den Sexualitäten und so was.
00:22:13: Ja, das Scham ist am Ende der Killer der Gesellschaft
00:22:17: eigentlich.
00:22:18: Auch da, ich meine, ihr seid voll offen.
00:22:20: Ich würde jetzt sagen, würde ich euch nicht anmerken.
00:22:23: Aber gab es Situationen innerhalb eurer Beziehung, wo ihr gemerkt
00:22:28: habt,
00:22:29: da habe ich irgendwie voll noch so ein gesellschaftliches Schamgefühl in mir bei einer bestimmten Situation?
00:22:36: Ja, definitiv.
00:22:37: Ist jetzt über die Zeit sehr ... sehr entleernd.
00:22:41: Aber was zum Beispiel für mich ein Thema war, wenn ich wusste, meine Beziehungsperson hat mit einer anderen Person geschlafen, dann kam, obwohl ich das gar nicht wollte, auf einmal so ein internalisierter Ekel.
00:22:54: Also, dass ich so dachte, oh, nee, und ... ist diese Person, was haben die gemacht?
00:23:02: Und ich dachte die ganze Zeit, das ist doch gar nicht wichtig eigentlich, weil letztendlich hätte ich dich jetzt neu kennengelernt und du hättest vor drei Tagen was mit jemandem gehabt, jetzt mich ja auch nicht gestört.
00:23:10: Was ist da jetzt auf einmal bei mir los?
00:23:12: Und dann kam jetzt auch wieder die Scham, weil ich hab mich dann geschämt, dass ich das denke, wollte das gar nicht denken.
00:23:18: Und so kam es dann zur Akzeptanz der Gefühle und sonst auch ganz viel so zum Thema meiner eigenen Sexualität.
00:23:24: Also ich hab früher so gesagt, so nein.
00:23:26: So kinky und nein und so was bin ich alles nicht.
00:23:29: Das ist die größte Lüge auf diesem Planeten.
00:23:32: Was ist kinky?
00:23:33: Kinky beschreibt sexuelle Praktiken, die außerhalb dessen beschrieben werden, was als normal angesehen wird.
00:23:42: Also sag jetzt mal über Blümchen, Cozy, Slow Sex hinaus, BDSM und so weiter.
00:23:51: Und das wird zum Beispiel auch mit Scham verbunden.
00:23:52: Warum?
00:23:53: Weil ich hab eine ... In der Schule eine ganz lange Mobbing-Slutschaming-Erfahrung hinter mir.
00:24:00: Und das Schlimmste war für mich nie wieder eine Schlampe sein.
00:24:04: Das war mir ganz wichtig, nie wieder Menschen Futter geben, mich so zu behandeln.
00:24:08: Und das hat aber was sehr selbstermächtigend ist, was ich dachte.
00:24:11: Was?
00:24:12: Ich leb nur einmal, nee, ihr macht mir das auf keinen Fall kaputt, aber es war Scham, definitiv.
00:24:15: Das war
00:24:16: eine Reise, als wir uns kennengelernt haben, waren wir beide sehr unbewusst über unsere sexuellen Vorlieben.
00:24:22: Und haben das irgendwie dann in unserer Beziehung, auch erst mit der Öffnung mit anderen Personen, haben wir erst unsere sexuellen Vorlieben richtig entdeckt.
00:24:32: Und das dann gemeinsam irgendwie ... also zu durchleben, dass wir auf einmal mit anderen Menschen rausfinden, was wir mögen und das zu besprechen und das so füreinander zu embrace und feiern.
00:24:42: Ja, total.
00:24:42: Also, ja, für uns normal.
00:24:44: Aber ich kann mir vorstellen, dass das für andere sehr wild klingt.
00:24:47: Wie ist das denn, wenn ihr jetzt beide eine Beziehungspersonen habt?
00:24:51: Wie funktioniert das dann, sich untereinander kennenzulernen, hört sich doof an?
00:24:55: Aber es ist ja für die Beziehungspersonen schon noch mal ein Step, dann ... in eure große Familie sozusagen mit ja einzutreten.
00:25:03: Also gibt es da so Sachen, die ihr euch setzt, dass ihr sagt, du lernst die Beziehungsperson von Louis.
00:25:10: erst mal alleine kennen oder so.
00:25:11: Also, wisst ihr alle zusammen?
00:25:13: Habt ihr euch damals Gedanken übergemacht?
00:25:15: Oder ist das einfach so?
00:25:16: Wir haben viele verschiedene von diesen Szenarien gehabt, weil schon viele verschiedene Beziehungen geführt haben.
00:25:21: Früher war das alles sehr groß und wichtig für uns.
00:25:24: Dann gab's
00:25:24: so ... Brunch.
00:25:25: Dann gab's da den Brunch, wo dann alle zu viert kommen, wo dann vorgestellt wird.
00:25:29: Es war da sehr viel Aufregung mit mittlerweile.
00:25:30: Ist das gar nicht mehr so.
00:25:32: Gibt's kein Brunch mehr?
00:25:33: Nee, es gibt kein Brunch mehr.
00:25:35: Nicht mehr des
00:25:35: Anlässtes wegen, sondern es gibt meistens eher so, ja, dann ist halt ein ... Und dann sind wir halt alle zusammen da und dann oder man erst mal feiern und dann gibt es erst mal sehen, aber wir versuchen das eigentlich so unaufgeregt und normal einzubauen in den Alltag, wie es geht und nicht mehr diese diese Spannungsaufbau-Druck-Situation aufzubauen.
00:25:52: Ja, macht es auch
00:25:52: Sinn, wenn ihr das so sagt.
00:25:53: Vor allem, was du gesagt hast, ist nämlich genau das Problem Menschen dazukommen.
00:25:58: Das gibt ja schon eine Hierarchie, das wollen wir nicht.
00:26:02: Jetzt Beispiel, wenn ich eine Person von Louis sehe, ich weiß ganz genau, ah ja, da war was.
00:26:07: Und dann kann ich mir natürlich denken, der Person, die denkt sich jetzt, ach du Scheiße, jetzt traf ich Saskia, ist das alles okay?
00:26:13: Dann sehe ich das schon in meiner Verantwortung, die Person grins mich an, ich gehe auf die Zoo, ich sage, hi, ich hab schon viel von dir gehört, freut mich, voll dich kennenzulernen.
00:26:20: Und weiter geht's, möchtest du was trinken?
00:26:21: Ja, ja, und weiter geht's.
00:26:23: Da wird gar nicht so darüber, das wird gar nicht zum Thema gemacht, sondern die Person kann dann erfahren, dass es erstens in Louis Verantwortung liegt, dass wenn Louis sagt, das ist okay, dass die Person darauf vertrauen kann.
00:26:33: Und zweitens, ich dann auch ein Gefühl gebe, hey.
00:26:35: Das ist wirklich okay.
00:26:37: Und dann gibt es so ein gemeinsames Gefühl anstatt so, jetzt sind da irgendwie die Michalskis und jetzt gibt es das große Kennlernen, wie die Eltern kennenlernen, musst du da am besten noch ein Gastgeschenk mitbringen oder so.
00:26:47: Nee, das wollen wir nicht mehr.
00:26:48: Das war früher so ein bisschen anders, aber jetzt ...
00:26:51: Ja, es ist so dieses Machtding, was das gerade meinte.
00:26:54: Ja,
00:26:54: das ist voll spannend.
00:26:55: Ja, wir haben sehr viel gelernt über die Zeit, das nennt sich Couples Privilege, also in so der Nichtmonogrammi, wenn es bereits ein bestehendes Paar gibt.
00:27:02: Das ist so eine gewisse ... Privileg und ein gewisses Machtverhältnis gibt zu einzelnen Außenpersonen.
00:27:07: Darüber haben wir reflektiert und gemerkt, das wollen wir nicht.
00:27:10: Wir wollen nicht, dass jemand denkt, der Mensch stößt zu uns und muss eine Prüfung, ob der Mensch dazugehört.
00:27:16: Wenn ich eine Beziehung führe, führe ich eine Beziehung.
00:27:18: Dann ist das die Beziehung zwischen mir und der Person.
00:27:20: Dann ist es naheliegend, dass du und die Person sich kennenlernen, aber es ist nicht ein Einführen.
00:27:26: Es passiert dann einfach, aber erst mal ist die Verbindung zwischen mir und der Person unabhängig davon.
00:27:31: Ja, voll schön.
00:27:32: Auch da wieder, das kannst du halt auch auf jegliche Art von Beziehung zwischenmenschlich so anwenden.
00:27:41: Also, es geht ja in alle Richtungen.
00:27:42: Das ist echt was, was ich auf jeden Fall damit rausnehme.
00:27:46: Jetzt sag ich zum Dritt mal, aber ihr seid öftlich, ihr zeigt, wie ihr liebt, wie ihr lebt, wie ihr miteinander umgeht.
00:27:55: Und da gibt's nicht immer nur positive Kommentare.
00:27:57: Und vor allem, wenn wir gerade auch weltpolitisch schauen, sind besonders Menschen, queere Menschen einfach auch zum Teil nicht mehr sichern unserer Gesellschaft.
00:28:10: Was macht das aktuell mit euch?
00:28:12: Also, ich kann natürlich sagen, wir rütteln an vielen traditionellen Werten und der Trend geht ja Richtung zurück zu traditionellen Frauenbildern, traditioneller Sexualität, traditionelle Beziehungsführung.
00:28:25: Und da rütteln wir natürlich an sehr, sehr vielen Pfeilern und das macht auch sehr, sehr viel Hass.
00:28:30: Ich kann jetzt gar nicht differenzieren oder möchte auch nicht ranken, welcher Hass jetzt irgendwie größer ist.
00:28:37: Was es aber mit uns macht, ist, dass wir definitiv dagegen halten wollen.
00:28:40: Wir haben gesagt, wir wissen, dass wir durch Social Media vielleicht jetzt nicht die große Kehrtwende innerhalb unserer Gesellschaft schaffen.
00:28:46: Aber das Schlimmste, was wir jetzt machen könnten, wäre, dass wir alle den Kopf in den Sand stecken und alle leise werden.
00:28:52: Das heißt, dass wir versuchen, für die, die eben anders leben.
00:28:57: weiterhin eine Mutfläche zu sein und das für uns auch zu halten.
00:29:01: Wenn wir eine Sache mittlerweile wissen, wir sind genauso richtig, wir zweifeln Null, Komma Null an uns.
00:29:07: Aber wir versuchen das eben weiter nach außen zu tragen, auch wenn sich das manchmal wie gegen Windmühlenkämpfen anfühlt.
00:29:13: Ich habe euch gebeten, für unser Format Content Extreme ein Video mitzubringen, das mega viral gegangen ist.
00:29:19: Ich bin gespannt, was ihr jetzt dabei habt.
00:29:22: Ja, ich zeige es dir.
00:29:23: Es ist ein Sketch, wo wir sagen, wir Menschen denken, dass unsere offene Beziehung aussieht.
00:29:28: Und spielen wir vor, wie Menschen das immer so darstellen.
00:29:30: Und dann spielen wir vor, wie es wirklich bei uns wäre.
00:29:32: Willst du es dir einmal angucken?
00:29:33: Gerne.
00:29:35: Es hat zwei Komma vier Millionen Views
00:29:36: bekommen.
00:29:37: Morty, ich geh jetzt
00:29:37: auf ein Date und mach jetzt, was ich will.
00:29:39: Tschüss!
00:29:40: Hey, ja, mach doch.
00:29:41: Hey, Morty, ich geh jetzt auf ein Date.
00:29:42: Wie fühlst du dich gerade
00:29:44: damit?
00:29:45: Ja, ganz gut eigentlich.
00:29:46: Was kann ich mich eigentlich so einstellen?
00:29:49: Ich würde da gerne
00:29:49: nochmal wegen ein paar Sachen mit dir einchecken und du kannst mir einfach sagen, ob du dich damit fühlst, okay?
00:29:53: Wie wäre es, wenn es so Intimität aus dem Sex kommt?
00:29:57: Okay.
00:29:58: Ja, das ist okay, glaube ich.
00:30:00: Ich habe ein schönes Date.
00:30:01: Ich bin jetzt
00:30:02: schon
00:30:03: gespannt, was du
00:30:03: vor uns erzählt hast.
00:30:04: Warte mal kurz.
00:30:05: Wo bist du heute überhaupt?
00:30:08: Es ist ganz, ganz, ganz komisch, für uns das anzuhören.
00:30:12: Weil das ist eineinhalb
00:30:14: Jahre her.
00:30:14: Das ist eineinhalb Jahre her, dieses Studio.
00:30:16: Und wir haben solche Absprachen gar nicht mehr.
00:30:21: Früher war es so, ja.
00:30:22: Früher
00:30:23: hatte dir so eine Absprache heute dann ...
00:30:26: Es
00:30:26: ist das so, warum musst du mir eine Nachricht schreiben?
00:30:30: Ich mach was du willst.
00:30:31: Morgens Kaffee im Bett, ich freu mich auf die Story.
00:30:37: Es war aber auf jeden Fall so.
00:30:38: Ja, und gerade bei offenen Beziehungen oder wo man noch nicht die Sicherheit hat und genau weiß, wenn wir es immer sehr empfehlen, wirklich grau zu und alle besprechen, sich vorher drauf einstellen können.
00:30:49: Was würdet ihr denn ... Jetzt gucken vielleicht grad Menschen zu.
00:30:54: die vielleicht einfach auch spüren, ey.
00:30:57: Ich würde mich gern trauen, offen darüber zu reden, wie ich eigentlich lieben möchte und das vielleicht auch gerade nicht mache, weil eben gerade diese Situation gesellschaftlich gerade da ist, die wir halt haben.
00:31:09: Was würdet ihr denn Menschen, die sagen, hey, ich würde so gerne einfach lieben, wie ich wirklich möchte?
00:31:14: Was würdet ihr dem mit auf den Weg geben?
00:31:16: Ich würde den Menschen mit auf den Weg geben, du hast das verdient.
00:31:19: Du hast das verdient, so zu leben, wie du fühlst, dass du liebst.
00:31:23: Liebe ist das Wichtigste und das, also in meinen Augen ist es.
00:31:26: wichtigste im Leben und das Schönste und das Erfüllendste.
00:31:29: Und klar, kommt Hass und alles, aber zu sich zu stehen und das zu tun, was dein Herz will, übertönt den Hass.
00:31:38: Das bin ich mir ganz sicher.
00:31:39: Deswegen, ich würde wirklich sagen, du hast das verdient und trau dich.
00:31:43: Step by Steps wird nicht immer leicht, es wird auch ganz schön kackelt zwischendrin, aber es wird so viel besser, als in einer Schacht will zu bleiben mit deinem Herz.
00:31:52: Und ja, das verdient mach.
00:31:54: Ich würde sagen, dass, glaube ich, ganz auf diese Idee ist, dass man damit alleine bleibt.
00:32:01: Und erst, wenn du dich zeigst, können die Menschen dich finden, die mit dir resonieren.
00:32:08: Und es gibt ganz viele Menschen da draußen, die bereit sind, dich dafür zu lieben und zu mögen, wer du bist.
00:32:14: Aber dadurch, dass du es versteckst, können sie dich nicht finden.
00:32:17: Und deswegen bleibst du halt immer... Loh, schön.
00:32:21: Deswegen bleibst du halt immer in deiner Blase.
00:32:24: Also, es muss einmal leider raus.
00:32:27: Ich hatte früher keinen einzigen queeren Menschen in meinem Leben, außer heller von Sinn im Fernsehen.
00:32:32: Und du musst einmal raus und dann können die Menschen dich erst finden und du die Menschen auch.
00:32:37: Ich glaube, das ist super wichtig.
00:32:39: Ich werd da emotional, weil das super wichtig ist, weil ich einfach auch Menschen kenne, die Angst davor haben, sich gerade jetzt in dieser Zeit sich zu trauen, das nach außen ... mitzuteilen und so zu lieben, wie sie möchten.
00:32:51: Deswegen seid ihr ganz, ganz wichtig für die Menschen da draußen.
00:32:54: Und ich danke, danke, danke euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt und heute hier im TK Podcast.
00:33:00: Danke, Lu, für deine Wärme und fürs Gespräch.
00:33:02: Ist
00:33:02: doch voll schön.
00:33:05: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann schaut euch auch gern die anderen Folgen an.
00:33:08: Die findet ihr in der Playlist ganz schön unperfekt auf Spotify und auf YouTube von die Techniker.
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